Dr. Jörg Kuhn

Briefe von Otto Lessing

An Sigrid Lessing geb. Gude von Berlin nach (Bad) Oybin bei Zittau

Berlin 13/6 [18]90
Liebste Sigrid!
Ich komme also morgen Abend muß allerdings Dienstag wieder zurück, da ich doch trotz aller Anstrengungen mit den dringendsten Arbeiten nicht fertig geworden bin. Verspreche Dir u. mir aber, recht bald wieder zu kommen. Ich muß überhaupt in diesem Monat u. dem Anfang des nächsten nach möglichst profitieren da während der Schulferien Oeser seinen Urlaub antritt. Während dessen muß ich allerdings meine Besuche in Oybin auf einige tage beschränken. Die Arbeiten für Saloschin habe ich im Wesentlichen fertig. Er selbst verreist jetzt, nachdem er mir vorher freundlicherweise noch eine Anweisung von 20.000 Mark zurückgelassen. Meine Entwürfe für die figürlichen Arbeiten am Kreishaus Teltow u. dem Reichspatentamt sind auch fertig u. bereits genehmigt. Das zweite Relief am Lessingdenkmal (Kleist) ist auch seit gestern Abend beendet. Bleibt nur noch der Mendelssohn u. als das Dringenste noch die Probefigur für die Eckthürme des Reichstagsgebäudes, die beiden Sachen hebe ich mir für nächste Woche auf. Dann kann ich viell. auch all das Übrige ganz con amore fertig machen (worunter ich nämlich recht häufige Besuche in Oybin verstehe). Deine Kirschen habe ich erhalten. Sie schmecken ganz frisch aber ein bisschen wenig wie alle Frühkirschen. Über alles andere mündlich. Ove und Lilly kommen um 3 Uhr an (mit Begleitung v. 2 Mädchen). Besorge einen Landauer u. einen größeren Bretterwagen für das Gepäck an die Bahn. Unsere Ponni's schickst Du zum Abendzug, mit dem ich komme. Ich muß nämlich morgen früh noch verschiedene geschäftliche Dinge erledigen u. noch den Carton für das Salonschin'sche Speisesaalfenster durchcoorigieren damit Hans weiter arbeiten kann. Nun aber leb' wohl mein einziger Schatz! Ich freue mich furchtbar darauf Dich wieder zu sehen.
Dein Otto

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An Sigrid Lessing geb. Gude von Berlin nach (Bad) Oybin bei Zittau

Berlin 15/7 [18]90
Liebste Sigrid!
Schön war es in Meseberg allerdings, nach all dem Regen prangen die herrlichen Bäume in einem Blätterschmuck, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen: der ganze Aufenthalt dort war eitel Sonnenschein den ich von morgens 2 ½ ab allein mit meiner Flinte durch Wald u. Flur streifend genossen. Nachmittags wurde natürlich mächtig gekegelt. Um 10 ging ich zu Bath (d. s. in Meseberg) 2 ½ Uhr war ich wieder auf den Beinen um mit Tesmar auf die Pirsch zufahren, weniger um etwas zu schießen, als um den Sonnenaufgang zu genießen. Fast noch herrlicher als am Sonntag. Blauer Himmel, alles gereift über den Wiesen ein feiner deftiger Nebel, kurz, es ist nicht zu beschreiben. Um 6 Uhr waren wir zurück zu dieser Stunde begann dort die Erndte, die herrlich zu werden verspricht da das Wetter anhält. Gestern 10 Uhr war ich wieder in Berlin an der Arbeit, in dem ich von der Stettiner Bahn direkt ins Reichstagsatelier fuhr. Es war übrigens gut, daß ich einmal drüben war, ich glaube, sie rechnen es mir doch hoch an, daß ich ihnen (übrigens nur scheinbar, denn Montag durfte ich keinesfalls hier fehlen) eine ... ... .... Gotthold reist morgen Abend ab seinen Schwiegereltern beziehungsweise seiner Braut nach in die Schweiz. Ich halte das für mehr als töricht, aber was soll man sagen?! Wie mir Ove erzählt sind die Teiche nun endlich fertig. Sorge dafür daß sie baldmöglichst gründlich ausgespült werden. Aus Deiner schriftlichen u. Oves mündlicher Beschreibung des Verbindungskanals wurde ich nicht recht klug, doch kann ich mir die Bescherung ja nächsten Sonnabend ansehen. Den Schlangensteg zwischen dem 2ten u. 3ten S... laß tüchtig mit Kies ausfüttern bei den Bassins zwischen dem dritten u. 4ten kann dies auch geschehen obgleich es bei diesem System, wo das Wasser von einem Becken frei in das andere fällt wenig nöthig ist. Sollte diese Verbindung noch nicht dran sein, so drängle den Schulz tüchtig. Was macht die Gülleleitung? Franßen erwarte ich dieser Tage wieder bei mir mit den Plänen für das Badehaus, dann werde ich ihm "des ... Klage" mittheilen. Die Marmorarbeit am Lessing ist allerdings noch lange nicht fertig auch die Bronzearbeit noch nicht ebenso wenig die Granitstücke oder das Gitter aber davon habe ich nichts geschrieben, denn damit habe ich persönlich so gut wie nichts zu thun. Ich meinte nur die Beendigung meiner speziellen Modellarbeiten. Hans war auch Sonntag in Meseberg. Seinem Vater geht es sehr schlecht, derselbe leidet an sehr heftigen Verdauungsstörungen, deren Überwindung ihn sehr elend gemacht haben. Dazu ist Käthe krank aus Leipzig angekommen, es scheint doch als wenn die Lunge angegriffen wäre. Es scheint, daß die Tante sie nach Meseberg einladen will. Sie ließ so halb durchblicken, daß es eigentlich unsere Pflicht wäre, sie nach Oybin zu nehmen. Daß sie uns unter solchen Umständen näher steht als Lilli v. W. finde ich auch. Vielleicht sagen W's ab. Jetzt naht sich übrigens die Ferienzeit der Jungens, da werdet ihr bei dem schönen Wetter erst zum eigentlichen Genuß von Oybin kommen. Nächsten Sonnabend komme ich, wenn nicht andere Zeit noch schreibe mit dem gewohnten Abendzuge. Die Kirschen, die Du geschickt, sind gestern alle geworden, sie haben sehr gut geschmeckt. Erkundige Dich doch ob jeden Tag zweimal ge... wird u. wie lange. Nun leb wohl u. schreib bald wieder.
Dein Otto

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An Sigrid Lessing geb. Gude von Berlin nach (Bad) Oybin, zum "Lessinghof"

Berlin 2/8 [18]90
Liebe Sigrid,
Leider bin ich mit verschiedenen Kleinigkeiten im Rückstand, so daß sich die Abreise heute nicht lohnt. Ich komme, sowie ich los kann, aber dann auch mehrerer Tage. Aus dem Schützenfest wird nun sowieso nichts, was auch weiter kein Schade ist. Mit dem Lessing Denkmal sind wir tüchtig beim Montieren, wobei ich auch viel Zeit einbüße, da die Granitarbeiten in Moabit u. die Bronzen in Friedrichshagen gearbeitet werden. Von den Letzteren kommen die kleinen Stücke nach Moabit zu Schleicher um gleich dort angepaßt zu werden, so namentlich der wasserspeiende Delphinkopf. Wenn ich daran denke, daß der Lessing in 6 Wochen schon stehen soll, wird mir ganz schlimm. Vom Kaiser ist noch kein Bescheid über den Enthüllungstag gekommen. Aber an den Hofbaurat Ihne ist eine Depesche gekommen sein Projekt für den Umbau des Weißen Saales zum 11ten Aug. fertig zu stellen. Gestern war ich bei Ihne habe mir die Projekte angesehen u. gleich gestern Nachmittag den Kostenvoranschlag mit Oeser angefangen. Glücklicherweise ist die Hauptsache Marmor u. Bronze, kann also doch nicht für dieses Jahr mehr formiert werden, wovor ich erst große Angst hatte, denn sonst wäre es wohl für dieses Jahr mit Oybin vorbei gewesen. Wie ist es eigentlich mit Deiner Toilette bestellt, wird es nicht Zeit werden Dich für die Enthüllungstage hier zu equipieren? Und Karen u. die Jungens müßten doch auch anständig auf der Bildfläche erscheinen. Vielleicht fährst Du das nächste mal auf einen oder Tage zurück, dann gehen wir zusammen aussuchen? Jetzt aber muß ich aber wieder in meinen Arbeitsstall u. weiter schuften. Leb wohl u. grüße alle. Was macht Gunhilds Storch? Sie hat sich wohl um einen Monat verrechnet?
Dein Otto

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Quelle: Nachlass Wolfgang J. Lessing in St. Augustin bei Familie Kuhn

Adresse des Autors:

Dr. Jörg Kuhn
Salzburger Straße 6
D-10825 Berlin

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