Geh. Hofbaurat Prof. Otto Kuhlmann
Otto Kuhlmann wurde am 22. April 1873 in Detmold geboren. Er wuchs in den Verhältnissen einer bürgerlichen Handwerkerfamilie auf. Sein Vater, August Kuhlmann, war Zimmermeister. Schon als Jugendlicher verlor Kuhlmann seine Eltern und wurde in der Obhut seines Halbbruders weiter aufgezogen. Nach dem Verlassen des Gymnasiums seiner Heimatstadt und einer baupraktischen Lehrzeit, gelang es Kuhlmann an der Baugewerksschule zu Höxter a.d. Weser aufgenommen zu werden. Anschließend besuchte er für mehrere Jahre die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Mit dem Studium der Architektur schlug Kuhlmann einen Weg ein, den ihm sein Vater und sein Halbbruder als Zimmermeister offensichtlich mit vorgezeichnet hatten. Erfolgreiche Assistentenjahre an der Hochschule, für die damalige Zeit eine gute Ausbildung bei angesehenen Architekten und Professoren ebneten Kuhlmann den Weg in die Stadtbauverwaltung unter der Leitung von Ludwig Hoffmann. Sie gaben Kuhlmann die wohl entscheidenden Impulse, die ihn später bei seinen vielen Wettbewerbserfolgen unterstützen sollten.
Mit 27 Jahren hat sich Kuhlmann in Berlin-Charlottenburg als freischaffender Architekt niedergelassen. Viele Entwürfe, Wettbewerbsgewinne und erfolgreiche Umsetzungen seiner Ideen verhalfen ihm 1903 zur Erlangung des »Großen Staatspreises der Akademie der Künste«. Kuhlmanns Popularität wuchs zusehends; seine Entwürfe wurden mehrfach publiziert und in fast allen gängigen Architekturzeitschriften damaliger Zeit diskutiert.
Den größten Bekanntheitsgrad erzielte Kuhlmann durch das Errichten einer großen Anzahl von Sakralbauten. Diese Periode begann 1905 mit dem Bau der neuen reformierten Kirche (Christuskirche) nebst Fürstengruft in Detmold. Besonders hervorzuheben ist, dass Kuhlmann in dieser Schaffensphase im Alter von erst 33 Jahren mehrere Kirchenbauten zeitgleich betreute: die ev. ref. Christuskirche mit Fürstengruft in Detmold (1905-08), die ev. Martin-Luther Kirche in Chemnitz (1905-08) und die ev. Kirche in Münster am Stein (1907-08).
Weitere von Kuhlmann entworfene Kirchenbauten seien noch erwähnt: die evangelische Kirche zu Prerau in Mähren (1907-08), die evangelische Kirche zu Raudnitz in Böhmen (1908-09) sowie die evangelischen Kirchen für Fürstenfeld (1908-09) und für Graz (1913-14). Ein weiterer reizvoller Entwurf gelang Kuhlmann mit der Planung einer evangelischen Kirche nebst Pfarrhaus und Alumnat für Bruck a.d. Mur (1923-24). Von Kuhlmanns Berliner Kirchenbauten, u.a. evangelische Kirche im Johannesstift (1907-10)[1], evangelische Kirche Konradshöhe (1937-39), ist die evangelische Johannes-Kirche in Berlin-Lichterfelde (1913-14) am bekanntesten geworden.
Kuhlmann baute in erster Linie evangelische Kirchen. Dies mag daran gelegen haben, dass zu vielen Wettbewerben evangelischer Auftraggeber ausschließlich evangelische Architekten zugelassen wurden. Trotzdem sind durch Otto Kuhlmann auch reizvolle Entwürfe zu Synagogen für Düsseldorf (1900), Frankfurt am Main (1904)[2], Berlin-Charlottenburg (1907) und Essen an der Ruhr (1908)[3] entstanden.
Viele weitere Wettbewerbserfolge und Aufträge folgten in den nächsten Jahren und fast stets ist es Kuhlmann gelungen, sich mit seinen architektonischen Vorstellungen zu behaupten. Das Wirken Kuhlmanns blieb keineswegs auf Sakralbauten beschränkt. So reizte ihn jede neue größere Aufgabe und stets gelang es ihm bei Wettbewerbsausschreibungen, wenn auch nicht immer die Ausführung, so doch einen ersten oder zweiten Preis zu gewinnen. Kuhlmann glaubte nicht, dass sich das Wesen des Stils mit der Gestaltung der Fassade erschöpfe und dabei die Konstruktion des Raumes hinter der Fassade von zweitrangiger Bedeutung sei. Gerade die besondere Berücksichtigung vorgegebener Raumprogramme hat Kuhlmann in vielen Wettbewerben siegen lassen.
»Villen und Miethäuser, Geschäftshäuser und Fabrikanlagen, Schulen, Rathäuser und Verwaltungsgebäude, landwirtschaftliche Bauten und Krankenhäuser, Saalbauten und Theater führten seine unermüdliche Phantasie zu Lösungen, die immer wieder die Zielsicherheit seines Denkens, die Vielseitigkeit seiner Einfälle in bezug auf Grundrißlösung wie Aufbauformen, den Sinn für malerische Wirkung und harmonische Gruppierung - die ganz besonders in seinen einfachsten Bauten, den Entwürfen für Siedlungsanlagen, spricht - und den immer wachsenden Sinn für Einfachheit und schlichte Wahrhaftigkeit verraten.«[4]
An schönen und reichhaltigen Aufträgen hat es Kuhlmann nie gefehlt. 1939 erschien in einer Zeitung seiner Heimatstadt Detmold eine Artikel, der Kuhlmann als überdurchschnittlich erfolgreichen Architekten charakterisierte: »Je weiter Kuhlmann fortschritt, um so einfacher und geschlossener wurde der Baukörper, um so klarer und harmonischer wirkten die Formen. Die Vielfältigkeit seiner Bauten [war] erstaunlich. Immer wiederkehrende Erfolge bei Wettbewerben machten ihn zu einem vielbeschäftigten Architekten, der sich in allen Gattungen moderner Architektur bewährte.«[5]
Otto Kuhlmann wirkte die meiste Zeit seines Lebens von Berlin aus. Sein Leben bestand vornehmlich aus Arbeit und verlief ohne andere bedeutsame oder abenteuerliche Ereignisse. Seine Bauaufträge führten ihn durch ganz Deutschland, nach Österreich, ins Baltikum bis nach Riga, er entwarf für Kairo und St. Paulo in Brasilien. Als in den letzten Kriegstagen sein Landhaus in Berlin-Charlottenburg zerstört wurde, kehrte er in seine Vaterstadt Detmold zurück. Dort starb er am 8. September 1948. Die Trauerfeier fand in der von ihm erbauten Chistuskirche in Detmold statt.
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Dipl.-Ing. Architekt und Dipl.-Ing.Innenarchitekt.
Tätigkeit als freischaffender Architekt und Innenarchitekt
Anschrift: UHLIG architekturkonzepte
Lortzingstraße 8, D-32756 Detmold, tel.: 05231/981180
www: www.architekturkonzepte.com und
mail: info@architekturkonzepte.com
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[1] G. Kühne und E. Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin, Berlin 1978, S.134.
[2] Synagoge für Frankfurt a. M. In: Deutsche Konkurrenzen, Band XVIII, Heft 212, Leipzig 1905, S. 1-9 , 18-21 u. 30-31.
[3] Synagoge für Essen (Ruhr). In: Berliner Architekturwelt, Heft 11/12, Berlin 1921, S. 349.
[4] Schliepmann 1921 (wie Anm. 1), S. 301.
[5] Schäfer 1939 (wie Anm. 8), S. 20.
Hinweis: Auch auszugsweise Wiedergabe des Textes oder der Fotos nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors!letzte Aktualisierung: 26.9.2002
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