Douglas Klahr

The Kaiser Builds in Berlin: Expressing National and Dynastic Identity in the Early Building Projects of Wilhelm II.

Dissertation am Department of the History of Art & Architecture, Brown University. Mai 2002

Deutsch Kurzfassung - Deutsch

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Interdependenz von politischer Macht und architektonischer Ausdruckform am Beispiel des Deutschen Kaisers Wilhelm II. 
Bei dem Versuch Wilhelm II., seine Autorität zu festigen und seine Identität gleichzeitig als Deutscher Kaiser und als König von Preußen zu dokumentieren, spielte auch die Architektur, die seine Bedeutung demonstrieren sollte, eine wesentliche Rolle.
Dabei war das Schloss in Berlin ein Schwerpunkt. Die Umsetzung des Machtanspruchs durch bauliche Vorhaben im Berliner Schloss und in seinem Umfeld ist der Kern dieser wissenschaftlichen Untersuchung.
Vier Projekte, die miteinander verbunden sind, werden analysiert. Gemeinsam wurden sie mit der Absicht initiiert, die Macht und die Bedeutung der Hohenzollern-Dynastie im Zentrum der Hauptstadt des neuen Kaiserreiches symbolischen Ausdruck zu verleihen. 
Dabei werden die machtpolitischen Ziele, die sich bis ins Detail der Abwicklung der Bauvorhaben nachvollziehen lassen, anhand zahlreicher einzelner Vorgänge analysiert. Es zeigt sich, wie ein modus operandi der Darstellung der Herrschaft sich bis in scheinbar unbedeutsame Vorgänge hineinzieht.
Die Herstellung des Zusammenhanges zwischen staatspolitischer Geschichte, Kulturgeschichte und Kunstgeschichte ist das besonders komplizierte Ziel des Autors, der diesen Zusammenhang bei den verschiedenen Disziplinen der historischen Wissenschaften vermisst. Deshalb liegt ein Schwerpunkt der Arbeit in der Suche nach den Zusammenhängen zwischen Staatsform, künstlerischen Ausdrucksformen und dem individuellen Charakter eines Herrschers, dessen Persönlichkeit seine Zeit stark geprägt hat.
Das erste untersuchte Projekt - der Bau des Nationaldenkmals und der dafür notwendige Abriss der Bauten der Schlossfreiheit - wird in Bezug auf die Wahl des Bauplatzes und den Entwurf des Denkmales analysiert. 
Es zeigt sich, dass Wilhelm II. bereits bei diesem Projekt die Arbeit seiner Regierung und seiner Minister rigoros beeinflusste, um seine Ziele zu erreichen.
Der »Byzantinismus« dieses Kaisers wird hier schon am Beginn seiner Regierungszeit - also sehr frühzeitig - nachweisbar, während andere Historiker diesen Charakterzug sich bisher erst etwa fünf Jahre später entwickeln sahen. 
Das zweite Projekt, der Bau von Terrassen an der Süd- und Westseite des Schlosses, führte zu einem Streitfall zwischen Ministern, wobei die Grenzen der Rechte des Kaisers als Bauherr des Schlosses innerhalb der Stadt zum Streitfall wurden. Fragen des Eigentumsrechts, des Baurechts und der kommunalen Unabhängigkeit des Schlossbezirks werden jeweils als äußerlicher Anlass von Streitigkeiten gewählt, deren eigentlicher Grund die Frage war, wie weit die Sonderrechte des Kaisers in seiner Rolle als eines Bauherrn innerhalb der Stadt, reichen.
Beim dritten und vierten Projekt handelt es sich um Baumaßnahmen im Innenbereich des Schlosses.
Die Umgestaltung des »Weißen Saales« wird dabei hauptsächlich aus ihren politischen Intentionen untersucht. Dieser Saal sollte eine architektonische Gestalt erhalten, in dessen Architektursprache die Versöhnung zwischen den Rollen Wilhelms des Zweiten als Deutscher Kaiser und König von Preußen symbolhaft Ausdruck findet.
Diese Intention wird auch für das vierte Projekt, der Beschaffung eines Doppelthrones im »Weißen Saal«, nachgewiesen.
Insgesamt bestätigen die vier ausgewählten Projekte die tiefe Bedeutung, die Wilhelm II. der Architektur beimaß, insbesondere bei den von ihm persönlich initiierten Projekten, die deshalb Spiegel seines Charakters und der dadurch beeinflussten Form der Machtausübung wurden.

Englisch Abstract - English

As Kaiser Wilhelm II sought to consolidate his authority, his various identities of Deutscher Kaiser, Koenig von Preussen and Schlossherr functioned as the conceptual framework in which he created his kingship mechanism. Exercise of power is the focus of this study, and it is through building activity that this is evaluated. Four interconnected projects are examined, that as a group possessed a singular relevance to Herrschaft, since they centered around the bedrock of Hohenzollern Machtanspruch, the Berliner Schloss. The exercise of power is dissected down to the individual maneuver, so that an understanding can be gained as to how a modus operandi of rulership began to form. It is this connection - when an architectural agenda prompted the establishment of a political mechanism - that defines the methodological conceit of this study, wherein the interconnections between political, legal, and architectural issues are reconstructed, distinguishing it from the work of other historians.

The first project, the demolition of the Schlossfreiheit and construction of a national monument, is examined with regard to both site attainment and monument placement and design. To achieve his goals, Wilhelm II circumvented the constitutionally-mandated ministerial apparatus of government during the first half-year of his reign, and the onset of Byzantismus can be traced to this time, predating its emergence by a half-decade as previously assigned by historians. The construction of terraces along the south and west sides of the Schloss, the second project examined, engendered a ministerial dispute in which the boundaries of Wilhelm II's identity as Schlossherr were brought under scrutiny. At issue were property ownership, the right to build, and self-governance of the Schlossbezirk- all pertaining directly to Wilhelm, a man with singular constitutional status. The third and fourth projects examined occurred within the Berliner Schloss and demonstrate how consolidation of authority was expressed within an internal environment. Wilhelm II's transformation of the Weisser Saal is evaluated primarily as a political act, a reconciling of Wilhelm's dual roles as Deutscher Kaiser and Koenig von Preussen that took an architectural form, as is the final project, Wilhelm's creation of a Doppelthron for the Weisser Saal.

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Douglas Klahr
164-K Butler Avenue
Providence, RI 02906
USA
kronprinzenpalais@yahoo.com

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