Tagung

Architektur und Assimilation - Die jüdischen Baumeister Berlins

 Programm

 Tagungskonzeption / -organisation

 Pressestimmen


Inhalt und Ziel
Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, anfangs vereinzelt, waren jüdische Architekten in Deutschland tätig. Sie prägten zunächst das Bauen der jüdischen Gemeinden und ihrer Mitglieder, gewannen aber schon um die Mitte des Jahrhunderts christliche Auftraggeber und beeinflussten, ja prägten bis 1933 die Baukultur Deutschlands.
Dies gilt in besonderem Maße für Berlin. Die größte jüdische Gemeinde Deutschlands entwickelte eine innerjüdische, emanzipatorische Kraft im architektonischen Schaffen, der als wesentlich stärkere Komponente die assimilatorische Attraktion der Großstadt mit ihren Möglichkeiten der Entfaltung, der Karriere und des Aufstiegs zur Seite stand. Namen wie Friedrich Hitzig, Cremer & Wolffenstein, Alfred Messel, Erich Mendelsohn, Erwin Gutkind, Harry Rosenthal belegen dies stellvertretend. Einflussreich war der Beitrag jüdischer Kritiker und Theoretiker zur architektonischen Diskussion, darunter Fritz Stahl, Walter Curt Behrendt, Oskar Bie, Paul Westheim oder Max Osborn.
Über die Namen und Hauptwerke der Prominenten hinaus bleibt allerdings unsere Kenntnis von diesem Kristallisationspunkt im deutsch-jüdischen Kulturleben bei weitem hinter seiner Bedeutung zurück - vor allem im Vergleich mit anderen Künsten.
Die Veranstalter sind sich der Problematik einer jüdischen Identität bzw. der Zuweisung einer solchen in den unterschiedlichen Phasen des zu behandelnden Zeitraumes bewusst. Ein erheblicher Teil der zu berücksichtigenden Künstler war konvertiert, stammte aus schon lange konvertierten Familien oder war religiös indifferent. Die Einflüsse des Wissens von einer jüdischen Vergangenheit oder Identität auf Lebensstruktur, Lebens- und Arbeitsvorstellungen, auf (künstlerische) Durchsetzungsstrategien, Leistungsvorstellungen und Anpassungsvorgänge geben dem Thema Spannung. Gerade die aufgegebene oder nicht mehr aktuelle Zugehörigkeit zum Judentum bildet vielfach den Keim des Identitätsproblems.
Die Tagung über "Architektur und Assimilation - Die jüdischen Baumeister Berlins" will als erstes Ziel Einzelforschungen versammeln, welche unser Bild konkretisieren. Sie sollen den Weg von "Juden" in diesem Beruf und an diesem Ort exemplarisch umreißen. Ein vollständiges Bild lässt sich nicht zeichnen, aber bei einer gezielten Einbindung des Beispiels lässt sich ein repräsentativer Ausschnitt aus dem Kontext gewinnen. Eine wesentliche Aufgabe der Tagung ist es, auf diese Weise ein Forschungsfeld zu umreißen, vielleicht auch zu definieren.
Der Berufsweg eines jüdischen Architekten war auch noch im frühen zwanzigsten Jahrhundert in ungleich stärkerem Maße von der Selbstbehauptung bestimmt als der seiner christlichen oder nichtjüdischen Kollegen, wobei Urteil, Vorurteil und Selbstbild von der gelebten, bewussten oder aufgezwungenen Identität bestimmt blieben.
Die Überlegungen der Tagung werden sich also auf die Fragen konzentrieren: Gibt es individuelle oder gemeinsame Reaktionen, Merkmale, Besonderheiten, die Werke und Gestaltungen charakterisieren, die aus dieser Problematik erklärbar sein können? Lassen sich über mehrere Generationen hinweg im individuellen Werk besondere Strukturen feststellen, die aus der religiösen Zugehörigkeit, aus dem Status der Minderheit, aus dem Anpassungsbemühen oder aus einem besonderen Fluchtreflex aus dem Status der ungeliebten Minderheit erklärbar oder ableitbar sind? Ähnliche Fragen sind auch an die Struktur der Auftraggeber zu stellen, wobei vielfach ein spezifisches, oft aber auch ein eher diffuses Sympathieverhalten zu beobachten ist, das letztlich, trotz aller vordergründiger Assimilation, jüdischen Architekt und jüdischen Bauherr zusammenführen.
Solche Fragen dringen in eine Problemfeld ein, das durch die Befragung des individuellen Selbstverständnisses, der institutionellen Einbindung und der Auftraggeberschaft, trotz aller Psychologismen, mit historischen und kunsthistorischen Methoden entscheidend erhellt werden kann.

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Programm

Die Tagung ist in die vier Sektionen gegliedert:

I. Bauverwaltung oder Privatbureau
II. Von der Emanzipation zur Integration
III. Zwischen jüdischer Renaissance und Normalität
IV. Der Blick auf die Architektur



Mittwoch, 10. September 2003

17.30  Begrüßung
Prof. Dr. Harold Hammer-Schenk, Kunsthistorisches Institut der FU Berlin
Dott.ssa Sybill De Vito-Egerland, Außenamt der FU Berlin
Eröffnungsvortrag  
18.00 - 20.00 Stefi Jersch-Wenzel, Berlin
Juden in neuen Berufsfeldern
20.00  Apéro
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Donnerstag, 11. September 2003

Sektion I: Bauverwaltung oder Privatbureau

9.15 - 10.15 Oliver Sander, Koblenz
Jüdische Architekten im preußischen Staatsdienst: Der Fall Salomo Sachs  
[abstract, pdf, 30kb]
zur Seite www.salomo-sachs.de (öffnet in neuem Fenster)
10.15 - 11.15 Ita Heinze-Greenberg, Rohrdorf
Über Leben und Werk des Preußischen Regierungsbaumeisters Alexander Baerwald
11.45 - 12.45 Isabel Haupt, Zürich
Cremer & Wolffenstein - Eine Erfolgsgeschichte 1882 - 1919
   
12.45 - 14.15 Mittagspause
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Sektion II : Von der Emanzipation zur Integration

14.15 - 15.15 Harold Hammer-Schenk, Berlin
Synagogenbau vor dem I. Weltkrieg
15.15 - 16.15 Jörg Alexander Kuhn, Berlin
Das Kriegerehrenfeld von Alexander Beer auf dem III. Friedhof der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in Berlin-Weissensee im Kontext der Reformbewegung innerhalb der Sepulkralarchitektur nach 1900
16.45 - 17.45 Robert Habel, Berlin
»Alfred Messel!«
17.45 - 18.45 Ulrich Maximilian Schumann, Karlsruhe
Der Adel und die Juden. Breslauer & Salinger, Oskar Kaufmann und ihre Kundschaft
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Freitag, 12. September 2003

Sektion III: Zwischen jüdischer Renaissance und Normalität

9.15 - 10.15 Antje Hansen, Wuppertal
Oskar Kaufmann und die Architektur der Großstadt
10.15 - 11.15 Regina Stephan, Darmstadt
Zionismus versus Assimilation. Die Position Erich Mendelsohns
11.45 - 12.45 Sylvia Claus, Zürich
Kulturelle Identitäten? Religiöse Aspekte im Werk des Architekten Harry Rosenthal
   
12.45 - 14.15 Mittagspause
14.15 - 15.15 Volker Welter, Santa Barbara
At Home with Freud
15.15 - 16.15 Annette Bussmann, Marburg
Zu Adaption und Demontage von Architekturgeschichte im »Neuen Bauen« der Weimarer Republik: Alfred Gellhorn (1885-1972). Bauten und Projekte bis 1933
16.45 - 17.45 Claudia Marcy, Berlin
Industriebau: Martin Punitzer und Korn & Weitzmann
17.45 - 18.45 Christina Thomson, Berlin
Hauptstadtarchitekten: Erwin Gutkind und Rudolf Fränkel
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Samstag, 13. September 2003

Sektion IV: Der Blick auf die Architektur

9.15 - 10.15 Gert Mattenklott, Berlin
Geschriebene Grossstadtarchitektur: Franz Hessel, Sigfried Kracauer, Walter Benjamin
10.15 - 11.15  Matthias Schirren, Berlin
Fritz Stahl und die Kunstliteratur der frühen zwanziger Jahre
11.45 - 12.45 Kai Gutschow, Pittsburgh:
Zwischen Amt und Kritik: Arbeiten zu einer deutschen Moderne in der Architekturpublizistik Walter Curt Behrendts
   
12.45 - 14.00 Mittagspause
   
Exkursion
14. 00 - 18.00

 


Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Architekten in Berlin

 

Schluss-
vortrag

18.00 - 20.00


Werner Oechslin, Zürich / Einsiedeln:
Moderne, internationale und postmoderne Architektur und die »innerliche Analogie mit dem Judentum«

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Tagungsgebühren und Anmeldung

Die Tagungsgebühr für das gesamte Symposion betrug 30,00 EUR. Studenten erhielten eine Ermäßigung.

Eine Tagung der Freien Universität Berlin, 
mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Leitung

Prof Dr. Harold Hammer-Schenk, Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin, Koserstrasse 20, 14195 Berlin, Telefon 030 / 838 - 53 800

Konzeption und Informationen

Sylvia Claus, M.A., ETH Zürich, Institut gta, 8093 Zürich, Telefon 0041-1-6332497, 0041-1-2727577, claus@gta.arch.ethz.ch
Dr. Ulrich Maximilian Schumann, Karlsruhe, 0721-8305915, U.M.Schumann@t-online.de

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