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Werk-Nummer: 26Status: Erhalten
Ort und Strasse: Berlin, Breite Straße
Bauzeit: 1896 - 1901
Bauherr: Preußische Krone
Schicksal: Auszug aus der Disseration von Oliver Sander:
Die Rekonstruktion des Architektennachlasses von Ernst v. Ihne (1848-1917) (Inhaltsverzeichnis als PDF-Datei), S. 79-80:
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3.3.4.2. Neuer MarstallIn Verbindung mit dem Schloss ist der Marstall zu erwähnen, ebenfalls ein altes Bauwerk, das Ihne erweiterte. Ursprünglich war das Gebäude von dem holländischen Baumeister Michael Matthias Smids in den Jahren 1666-69 errichtet worden. Es ersetzte kurz vorher abgebrannte Bauten. Drei Jahrzehnte später entwarfen Broebes und Jean de Bodt Pläne für eine weitaus repräsentativere Fassade zum Schloss hin, die aber nicht realisiert wurden. Erst das gesteigerte Repräsentationsbedürfnis und der dadurch vergrößerte Fuhrpark Wilhelms II. führten zur Realisierung von Erweiterungs- und Neubauplänen. Der Neubau hatte an der Spreeseite eine Länge von 176 Meter bei einer Höhe von 31 Meter, während die Schlossplatzfassade 83 Meter lang und 23 Meter (mit Giebel: 28,40 Meter) hoch war. Die notwendigen Stellplätze für Wagen und Pferde wurden unter anderem durch die doppelstöckige Anordnung der Pferdeställe erreicht, "eine Art Hochgarage der ausgehenden Pferdezeit."
Während der vordere Teil des Gebäudes im Rohbau bereits fertig war, wurde ein Modell auf der großen Berliner Kunstausstellung von 1898 gezeigt, wie der Bau überhaupt große Aufmerksamkeit fand: "Die Architektur dieser drei Bauteile hat Hofbaurat Ihne in Anlehnung an die alten Pläne von Broebes und Bodt, vornehmlich aber im Anschluss an den Schlüterschen Schlossbau aufgestellt. Dabei ist sein Hauptanteil auf den plastischen Schmuck gefallen, mit dessen Ausführung Professor Otto Lessing beauftragt worden ist, der seine innige Vertrautheit mit der Formensprache des Barockstils schon häufig bewährt hat." Lessing hatte sich nicht nur bewährt, sondern zusammen mit Ihne auf einer Reise nach Paris und Versailles im Sommer 1892 auch informiert, und zwar über die französische Bauplastik des 17. und 18. Jahrhunderts. Möglicherweise hatte auch der Bildhauer Louis Tuaillon (1862-1919) Entwürfe für den plastischen Schmuck gefertigt.
An diesem Bauwerk lassen sich recht gut die Widersprüche innerhalb der Kunst- und Architekturgeschichtsschreibung bei der Beurteilung einzelner Bauten feststellen. Während das "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler" den Bau in den "strengen Formen des Berliner Barock, z.T. inspiriert durch Marstallentwürfe von Jean de Bodt aus der Zeit um 1700" ausgeführt sieht, bemerken andere die Einflüsse von Ihnes Zeit an der Pariser École des Beaux Arts: "die Formensprache die Ihne hier gebraucht hat, ist die von Mansart und Perrault." Während der ebenso kritische wie fachkundige Zeitgenosse Paul Clemen die "einfache Klarheit der Marstallfassade" für gut befand, kritisierte Mohammed Scharabi: ",Eigenster Gedanke" bleibt das Mißverhältnis der Proportionen." So erscheint einigen "kühler Eklektizismus" zu sein, was anderen Ausdruck preußischer Einfachheit ist. Dem Kaiser jedenfalls hat der Stil gefallen, er lobte ausdrücklich den Frühbarock des Marstallbaus. Und auch die "Deutsche Bauzeitung" schätzte die Ausführung, denn "was Ihne in diesem schuf gehört mit zum Besten der Berliner Monumental-Architektur" - auch wenn sie das Kaiser Friedrich-Museum für an sich bedeutender hielt.
Auch heutzutage gibt es wieder recht positive Beurteilungen des Gebäudes: "Als ein Hauptwerk der wilhelminischen Staatsarchitektur ist der Neue Marstall von großer Bedeutung für die Berliner Baugeschichte und wegen seiner Nutzung als Hauptquartier des ,Volksmarinerates' während der Novemberrevolution ebenso für die Stadtgeschichte. In Stellung und Funktion spiegelt er noch den höfischen Zusammenhang der Schlosstopografie wieder." In den Tagen der Novemberrevolution war die Volksmarinedivision im Marstall stationiert, wovon auch Gedenktafeln an der Westfront künden.
Heute wird das Gebäude u.a. gewerblich genutzt.«
Quellen / Literatur: - GStA PK, I.HA, Rep.151 IV, Nr.2369; Enthält u.a.: Foto einer Zeichnung: Querschnitte durch Remisenhof und Schlossplatzflügel, E. Ihne, Mai 1896, mit baupolizeilichen Prüfungsvermerken, 1896.
- GStA PK, XI.HA Rep.1A, Nr.51108 Kellergeschossgrundriss, M 1:100, 1896.
- DBz Jg.28 (1894), S. 31f., 188f.; Jg. 34 (1900), S. 293-297, Tf. vor S. 293, mit Ans. u. Grundrissen.
- BusB II, 1896, S. 7 u. 12.
- O. Hossfeld: D. Architektur auf d. diesjährigen Gr. Berl. Kunstausstell., in: ZBv Jg. 18 (1898), S. 302.
- Der neue Königliche Marstall, in: Baugewerks-Zeitung 31 (1899), S.1203f. m. 2 Ansichten.
- BAW Jg. 1 (1899), S. 17-20, Abb.31f.; Jg. 3 (1901), S. 11-15, Abb. 13-19; Jg. 4 (1902), S. 86, Abb. 114.
- Blätter für Architektur u. Kunsthandwerk, Jg. 15 (1902), S. 18, Tafel 27 u. 28.
- H. Rückwardt: Architektonische Studien-Blätter Serie I, Nr.106, Portalbau.
- P. Seidel: Der Kaiser und die Kunst. Berlin 1907, S. 138ff., Fotos S. 141 u. 143.
- Landesdenkmalamt Planarchiv Kasten VII, 6 Blatt Aufmaße v. 5.4.1932.
- BusB Teil III, Bauwerke für Reg. u. Verwaltung. Berlin 1966, S. 46-47.
- Historische Stätten in Berlin. Berlin 1987, S. 116-117.
- J. Kuhn: Otto Lessing. (Diss.). Berlin 1994, S.63-68.
- Hauptstadtplanung u. Denkmalpflege. (Beitr. z. Denkmalpflege in Berlin, H. 3). Berlin 1995, S. 112.
- Der Marstall früher und heute (Internetseite der Zentral- und Landesbibliothek Berlin,
www.zlb.de/projekte/marstall/v. Num.: 36